Virus GS 180 Worldcup Zylon mit Virus Isolator, Ride The Lightning

  • Nachdem ich jetzt doch schon einige Male mit dem Ding unterwegs war, wird es Zeit, hier ein paar Zeilen darüber zu verlieren.

    Zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit hatten wir etwas Pech mit den Schneebedingungen. Nassschnee, Neuschnee, Hardboot tiefer Pulver oder gestreute Pisten waren keine optimalen Bedingungen, auch, wenn das mit dem Brett durchaus fahrbar war (der tiefe Pulverschnee eher nicht).

    Diese Woche hat sich das Blatt gewendet und alles war für einen gültigen Angriff angerichtet. Es ist mein erstes Board aus dem Hause Virus, ich hatte schon öfter welche probiert, mich aber nie zu einem Kauf entschließen können. Bei meinen bisherigen Tests war aber kein GS dabei, mit Ausnahme der Testfahrt, die eigens für den Kauf stattgefunden hat.
    Mein GS hat das gängige Strandmattendesign, ist "etwas kurviger" als mein in letzter Zeit gefahrenes Plasma (breitere Nose) und macht einen sehr selbstbewussten Eindruck.
    Nach einigem Überlegen habe ich mich entschlossen, dem Brett auch gleich die hauseigene Platte zu verpassen, hauptsächlich aus Neugierde, bis jetzt bin ich es noch nicht ohne diese Platte gefahren. Das abgebildete Plattensetup habe ich inzwischen (gleich nach der 2. Ausfahrt) geändert. Die vorderen Platten wanderten auf gleiche Höhe und eine Bohrung nach hinten. Derweil scheint das grob zu passen und ich lass das mal so.

    Der erste Tag bei guten Bedingungen (freigewehter Pistenstock, hart, griffig) brachte einige Erkenntnisse. Das Brett beißt....es nagt sich derart in die Piste, daß nie die Frage aufkommt "hält das jetzt, oder nicht?" Als Kantensetup wählte ich mein übliches 87° und 0,5° - schien anfangs nicht ganz verkehrt. Das Versetzen der Isolator machte sich bezahlt, einlenken ging kontrollierter, Backside macht nicht zu.
    Leider ist das Board sehr störanfällig. Unebenheiten wie Wellen und Löcher bringen starke Unruhe in den Lauf und fordern einen ständig. Auch, wenn das Carven gut gelingt, ist man ständig gefordert, selbstverständlich ist gar nix. Tempo? Genug! Aaaaaaaber.....ist es einmal in Schwung, fängt man es kaum mehr ein. In der Kurve wird sehr wenig (oder gar kein?) Speed vernichtet, der Pistenrand kommt schneller näher, als die Geschwindigkeit runter geht. In den nächsten Turn drehen? - oha, OBACHT:angst:. Kurve andriften? Nö...."geh scheißn", sagt das Brett und bleibt unbeirrbar auf der Kante (ja, mein Brett spricht wienerisch, ist ein Qualitätsmerkmal). Zu alle dem neigt es dazu vor dem Kantenwechsel noch einen Ticken fester zuzubeißen, damit es ja schwierig aus der Carve zu lösen ist. Stress Stress Stress
    Also Fazit vom ersten gültigen Tag: HERRLICH :doppel_daumen:
    Kein weichgespültes Kaufhausrennbrett, sondern eine richtige Tussi :feile:
    Blieb nur eines: mit dem ersten überstandenen Tag war es ja nicht getan, was mach ich das nächste mal anders/besser?
    Ich war schon immer der Meinung, daß ein Brett, mit dem alles von Anfang an glatt läuft, nicht unbedingt das richtige sein muss. Bretter, die auf Anhieb funktionieren haben das Potential bald "zu wenig" zu werden. Wer bereit ist, sich auf gewisse Dinge einzulassen, etwas zu investieren, hat oft einen befriedigenden Output zum Lohn. Man will doch immer ein wenig wachsen, das funktioniert kaum in der Komfortzone - if it does not challenge you, it will not change you. Aber stimmt das auch diesmal?

    Vor dem nächsten Ausflug kontrollierte ich noch einmal das Kantensetup. Die Hartnäckigkeit in der Carve und die Undriftbarkeit könnten ja da ihren Ursprung haben.
    Mit dem Base Edger überflog ich belagseitig die Kante. Allerdings wurden mindestens die 0,5° über die ganze Kantenlänge eingehalten, die Feile biss kein einziges Mal zu. Mit den Diamantfeilen entfernte ich eventuell vorhandene Grate ( die bleiben gerne mal stehen, nach Maschinenservice). Derart vorbereitet ging es wieder auf die Piste. Bedingungen ähnlich den letztmaligen, also alles grün.
    Zu Beginn ein Herantasten... jetzt wusste ich ja schon, daß das Tempo gewissenhafter gewählt werden muss. Ich war diesmal besser vorbereitet, meine "ich kann alles fahren, und zwar schnell" Haltung, versuchte ich zu unterdrücken. Der Unruhe im Lauf begegnete ich aufmerksam, das Tempo kontrollierte ich sorgsam, ich achtete besonders auf meine Haltung und versuchte nicht schlampig zu werden. Anstrengend....die ganze Zeit so konzentriert zu fahren....ich fühlte mich bieder und sehr konservativ. Es gelang zwar alles, auch die steile unterm Hohen Turm Lift gelang tadellos (Bergeralmkenner wissen, wo:prost: ) aber irgendwie fühlte es sich nicht gut an, es war alles so steril. So gurkte ich ein Weile herum, aber plötzlich :freu:, von einer Abfahrt zur nächsten, ohne irgendwie was zu ändern oder so, war alles anders. Auf einmal fühlte sich alles "richtig" an, es stellte sich ein ganz anderes Vertrauen ein, ich wusste, wie MEIN BRETT, das war es jetzt, sich aufführen würde, ja, auf einmal konnte ich Turns andriften, ganz selbstverständlich und die Sorge um Speed oder Kurve nicht kriegen oder Pistenrand oder, was weiß ich was, rückten in den Hintergrund. Auf einmal war alles nur geil....im wahrsten Sinne der Redewendung schien mir der Knopf aufgegangen zu sein. Kleine Hoppalas waren mir plötzlich wurscht, das fange ich schon auf....Schulter, Hüfte, Knie? wurscht, afoch owe....
    Woher das jetzt kam, ist mir immer noch nicht ganz klar. Eine Erklärung wäre, daß ich doch schon genug Eindrücke gesammelt habe, um gut mit allem umgehen zu können. Schließlich muss sich ja Übung irgendwo bemerkbar machen. Eine andere Erklärung wäre Sauerstoffmangel :rofl2: oder Alkohol am Abend davor, bin nicht ganz sicher.
    Mir ist klar, daß da jetzt noch einiges an Luft nach oben ist, aber ich freue mich irrsinnig auf die bevorstehende Zeit.

    Jedenfalls war es die richtige Entscheidung, sich auf das VIRUS GS WORLDCUP ZYLON einzulassen. Meine Snowboardreise scheint wieder frische Fahrt aufgenommen zu haben, vielen Dank, lieber FRANK :thump:

    ride on
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    nur die G´störten fahrn mit Burton

  • Danke für den tollen Bericht und das Teilen Deiner Eindrücke! :thumbup:
    Auch wenn Du (ganz sicher!) ein ganz anderes Fahrlevel als ich hast, mir gefallen und helfen solche Beschreibungen, wie ein Board in bestimmten Situationen reagiert.

    Was gab denn für Dich den Ausschlag die anfänglich asymetrisch montierte Isolator-Platte zu korrigieren?

  • Was gab denn für Dich den Ausschlag die anfänglich asymetrisch montierte Isolator-Platte zu korrigieren?

    Der Einzug in Frontside und Backside war zu eng, also System zurück, jetzt ist es angenehmer. Auf der Frontside wollte ich noch mehr Freiraum
    über Belastung den Radius zu beeinflussen, das geht besser, wenn die Platt nicht zu weit vorne drückt.

    Ich überlege auch noch, die hintere Platte zurückzusetzen. Vielleicht, das weiss ich noch nicht, baut es dann weniger Rückstellenergie auf und es läuft stabiler über die Unebenheiten.

    Aber langsam langsam...eines nach dem anderen
    LG, bulwei

    ride on
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    nur die G´störten fahrn mit Burton

  • Aaaaaaaber.....ist es einmal in Schwung, fängt man es kaum mehr ein. In der Kurve wird sehr wenig (oder gar kein?) Speed vernichtet, der Pistenrand kommt schneller näher, als die Geschwindigkeit runter geht.

    Und das von dem, der den Spruch "mit Speed in die Kurve, mit Speed durch die Kurve und mit Speed aus der Kurve" berühmt gemacht hat :megafon::love:

    Kannst du mir sagen, wann aus "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" eigentlich 'Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer' wurde?

    Lachsbruder
    Erste Regel der Lachsbruderschaft: Rede nicht über die Lachsbruderschaft!

    Lala

  • Mäxle
    Petze :pssst: ...genau auf das habe ich schon gewartet, Schwesterchen :saufen:
    Es gibt Speed, mehr Speed und ....:sick2:

    Wenn ich es mir aussuchen kann, dann.....

    ride on
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    nur die G´störten fahrn mit Burton

  • ...so, hier ein Update:

    das neuerliche Versetzen der Platte brachte wesentliche Verbesserungen bezüglich Handling und Kontrolle,
    dementsprechend ist dieser Testbericht für das Gesamtpaket GS und Isolator zu betrachten - wie sich das Board clean fährt
    kann ich NICHT SAGEN, da ich es ja ohne Platte nie gefahren bin.

    Bei der letzten Kantenpflege sah ich mich bemüßigt, beide Platten je eine Bohrung auseinander zu setzen (also weg von der Boardmitte).
    Ich habe schon sehr das Gefühl, daß jetzt alles stimmiger und runder läuft, der Grip ist immer noch vertrauenserweckend, und die Laufruhe
    scheint auch gut zu passen.
    Nosedrifts funktionieren gut, allerdings müssen die, im Gegensatz zu anderen von mir gefahrenen Boards, aktiver angegangen werden. Bis
    jetzt reichte da immer ein leichtes "loslassen", das reicht beim GS nicht, bedeutet aber keine Einschränkung.

    Für alle unter Euch die pingelig sind:
    die Platte hat LEICHTE Auswirkungen auf das Boot Setup. Durch die leicht überhöhten Dämpfer zu Tip und Tail hin steht sie ja nicht ganz plan.
    Für Steilwinkelfahrer (schmale Bretter) ist das vielleicht weniger Thema, je flacher die Bindungswinkel werden, desto eher könnte das wer spüren.
    Das ist natürlich kein Kritikpunkt, aber dennoch eine Tatsache.
    Ich z.B. bekomme nicht die gewohnte Rückmeldung vom hinteren Schuh, nicht tragisch, aber merklich. Es hat mich beschäftigt, warum das so ist. Inzwischen habe ich mich aber gut daran gewöhnt.

    Tests mit verschiedenen Setbacks sind also durchaus zur Trimmung eines Boards in Betracht zu ziehen, eine Praxis, die glaube ich, nicht wirklich verbreitet ist.
    Nur Mut, kann ich da nur sagen,

    LG

    bulwei

    ride on
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  • Danke für den Bericht.

    Ich denke, dass die Verschiebung der Platten Richtung Tail und Nose die Brettmitte mehr arbeiten lässt und Nose und Tail werden etwas straffer.
    Dadurch steuert das Brett präziser und weniger bockig sowie die Laufruhe steigert sich, oder?


    Wenn man die Mitte eher aussteift und Tail und Nose mehr arbeiten lässt (Platte nach innen versetzt), dann sollte es sich bockiger und behäbiger fahren, da Nose und Tail viel arbeiten und die Mitte sich weniger durchbiegen kann und die Variabilität etwas einschränkt.

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