Virus GS Worldcup Zylon II 189 - Being Karl

  • Also Burschen, erstmal vielen Dank für eure höchst unterhaltsamen Berichte.

    Ich möcht da schon was klarstellen, auch weils mir zwider is da jetzt als wilder Hund dazustehen. Ich bin schon empfänglich für Bauchpinselei, aber das will ich mir schon verdienen und nicht nachgeschmissen kriegen.

    GS Boards sind ja nicht neu auf dem Markt, und es gibt viele die das fahren. Was schon neu ist, sind diese Längen und diese extrem schnelle Charakteristik der neuen Virus GS Boards (soweit ich weiß haben die anderen Firmen jetzt auch längere GS Boards, ob sie genauso brutal sind weiß ich nicht).

    Ihr sagt Hut ab vor jemandem der das auf Eis fährt. Ich sag Hut ab vor jemandem der das - noch dazu diese noch längeren Boards die ich ja ned gefahren bin - am Sonntag nachmittag im Sulz gefahren is. Als ich am Samstag nachmittag zum Giggijoch rübergependelt bin hab ich keinen einzigen gecarvten Turn gemacht. Ich glaub ihr solltest den Test mal auf guter Piste wiederholen, da wirds dann wirklich lustig.

    Am Schluß glaub ich dass man da vieles einfach skalieren kann, aber sich am Boarden selbst wenig ändert. Höheres Tempo, weitere Turns, ja. Aber das höhere Tempo wird auch durch die höhere Laufruhe fahrbar. Ja, das hat Grenzen - siehe sogleich. Man gewöhnt sich einfach an dieses höhere Temponiveau, und dann ises als hätte man nie was anderes gemacht. Am Schluß bleibt genau das über was du sagst, Ed: es pfeift am Helm.


    Was mir gefällt an den schnellen Boards:

    - das Tempo an sich

    - man liegt länger im Turn, mehr Rollercoaster-Feeling

    - flachere Hänge werden lustiger. Das ist für mich der Hauptvorteil, ich erweitere meinen Spassbereich auf die mittleren Hänge und brauch nicht mehr unbedingt in die ganz steilen Pisten. Das ist jetzt gerade mit dem Virus GS Boards ganz stark, weil das Zeug ja auch ständig beschleunigt.

    - man ist an der Schneebar der King. Und ganz ehrlich, wenn die Weltcupper mit dem SL Board im Rette sind und ich mit dem GS, das kommt schon gut.


    Nachteile:

    - alle Hänge auf denen man nicht ablegen kann werden problematischer, weil man das Tempo schlechter kontrollieren kann. Verbuckelte Steilhänge, Rinnen, unübersichtliches Gelände. Auch quert man in einem Turn nicht nur einen Buckel sondern zwei oder drei, was die Linienplanung massiv erschwert.

    - ja, vereiste Steilhänge sind glaub ich ein wenig schwieriger, aber der Unterschied ist nicht groß. Das sind Nuancen. Ich trau mir zu sagen dass es keinen Hang gibt in den ich - wenn er breit genug und brauchbar präpariert ist - nicht damit reinfahren würd.

    - schmale Pisten sind teilweise gar nicht carvbar oder nur mit andriften, brauchen perfekten Pistenzustand damit die Linie exakt planbar ist.

    - Sulzige Ziehwege sind ein Drama. Überhaupt das Heimfahren auf den Hauptverkehrsrouten am Nachmittag ist mein Angstgegner.

    - die Holländereinschlaggefahr wird größer.

    Gegenden nördlich des Alpenhauptkammes sind aus klimatischen Gründen unbewohnbar.
    (H.Rosendorfer)

  • Nachdem wie sich das ließt, müsste die rechte Seite umgekehrt verlaufen…

    Ist weniger als cerebrale Leistungsfähigkeit zu Verstehen, sondern als spirituelle Erleuchtung wenn's am Helm pfeift.

    Hehe, ich musste sehr grinsen beim Lesen. Danke für die toll geschriebenen Berichte.

    Dito 🙏😘

  • So, noch eine Ergänzung. Ich entschuldig mich gleich jetzt für die Inflation an Superlativen, ich hab leider keine anderen Wörter in mir drin.

    Ich hatte jetzt auch Gelegenheit das 195er zu fahren (wenn ich das richtig verstanden hab, das etwas weichere von zwei 195ern; es ist aber straffer als mein 189er). Burgi hats mir Sonntag morgen geliehen, wofür ich ihm schwerstens dankbar bin. Was eine Ehre!

    Als ich mich in den Kühlschrank rollen lass, steht über mir beim Liftausstieg die aktuelle Virus-Weltcup-Squad, inkl. dem Herrn Olympiasieger und dem öst. Meister. Ich nehme an, dass mir zumindest Burgi nachschaut, er hat sich erkennbar Sorgen um diesen alten Mann gemacht, der ich bin (oder auch um sein Board..). Außerdem wird genau dieses Board nächstes Jahr wohl im Weltcup fahren - wenn ich es nicht zerstöre. Also beschließe ich, nicht abzukacken (wie ihr Preussen sagt). Gottseidank ist es super griffig, bissl auf der weichen Seite, und recht gut präpariert. Das Eingangstempo rate ich (wie Sense), und ich rate gut. 6 Turns später bin ich verliebt. Unten am Kühlschrank soll ich Burgi durch Handzeichen zu verstehen geben, wie's mir damit geht. Und ich frage mich, warum ich nur 2 Daumen habe, die ich nach oben strecken kann, ich würd auch 10 zeigen. Mehr kann ich grad nicht mitteilen, ich muß jetzt erstmal auf der Piste liegend Luft schnappen, und die Weltcupper verlassen mich, gemeinsam mit den Duracell-Hasen Ed und Claire.

    Was für ein Gerät! Was für eine Sicherheit, Leichtigkeit, was für ein Speed! Ja, es ist frisch präpariert und griffig, aber die Sicht ist sehr mau, und ich fahr halt nach Gefühl. Muß gehen. Und geht. Ich merke, diese straffere, superfeine Abstimmung ist jetzt genau das was mir die Sicherheit gibt die mir beim 189er noch ein bisschen fehlt. Dabei bleibt das Board immer leicht am Fuß, ganz anders als mein überschweres Doppel-Titanal-Sense, und schwingt zu keinem Zeitpunkt nach. Dasselbe dann am oberen Teil vom Rettenbach, einfach ein perfektes Board-Gefühl. Ich versuch das anzuwenden was mr gestern Burgi versucht hat beizubringen, racige Kantenwechsel...uaaaaahhhh das wird schnell.. ein kleines Angsti kriecht mein Rückenmark hinauf. Dem Board ist das aber egal.

    Das Beste kommt aber erst noch: Der Rettenbach Steilhang wird angepeilt. Und das ist dann wirklich absolut großes Kino. Ich hab noch nie dieses Gefühl von Unfehlbarkeit gehabt wie mit diesem Board. Es ist ein wenig nebelig, und ich bin froh dass ich mich hinlegen darf, da seh ich die Piste besser (bin gespannt wann ich zum Boarden die Lesebrille aufsetzen muss). Egal wie ich die Turns ansetz, vorne, hinten, schneller, langsamer, eingedreht oder angedriftet, dieses Board fängt mich ein, legt mich auf die Piste, und hebt mich wieder raus. Grenzenloses Vertrauen, absolute Stabilität, unglaubliche Schräglagen - die Piste ist schlicht im Weg, sonst würd ich wohl versuchen ob nicht auch mehr als 90 Grad gehen. Und dazu viel Energie aus dem Turn. Das ist viel viel mehr als einfach nur EC. Das ist das Lustigste was ich je mit einem Snowboard gemacht hab. Die Menschen an der Talstation schauen mich verwirrt an: welcher normale Mensch wird in diesem Nebel Jubelschreie in die Welt lassen?

    Leider geht der Rette nur 2mal bevors dann komplett zuzieht. Ich grab mich durch den Nebel zum Tiefenbach, freu mich noch einmal über den Hang am Seiterkar wegen dem Längsbuckel den ich so mag weil man da von einem Turn in den anderen fliegen kann, und dann bin ich erstmal fertig mit der Welt. Ich versuch aus den anwesenden Helden die Info rauszukitzeln ob so ein etwas härteres (wenn auch nicht wirklich hartes) GS dann doch vielleicht ein ganz kleines bisschen weniger Eisgrip hat als mein weicheres 189er. Sie streiten es eisern ab (ich mein hat schon mal jemand Frank gefragt ob eins seiner Boards weniger Eisgrip habe? Bruhar.. ). Ich behalt mir trotzdem diesen Strohhalm, weil sonst müsst ich jetzt einen Diebstahl begehen. Mit diesem Argument kann ich wenigstens sagen meine Boards ergänzen sich. Wenn ich aber alle meine Boards auf einmal ersetzen müsste, dann würde ich Frank sagen er muß mir genau, exakt, absolut dieses Ding nochmal bauen. Und er würde wohl nein sagen, weil Betriebsgeheimnis und so. Also hilft nix, muß ich wohl auf meine alten Tage noch Pro-Racer werden. Hat irgendwer eine zweite Lunge, ein paar neue Oberschenkel extrahart und eine grössere Portion Talent rumliegen?

    Also: danke Burgi, danke Frank, es war ein großartiges Erlebnis! Ich möcht bitte ganz oben auf die Liste, falls dieses Board mal aussortiert wird. Bis dahin wünsch ich mal eine erfolgreiche Saison 24/25, ich werd mit umso größerem Interesse vor dem Fernseher picken!

    Gegenden nördlich des Alpenhauptkammes sind aus klimatischen Gründen unbewohnbar.
    (H.Rosendorfer)

    Edited 2 times, last by frunobulax (April 29, 2024 at 1:59 PM).

  • Ich kam am Samstag zu Frank und fragte ihn, ob er einen 185er GS zum Testen dabei hätte (ich hatte ihn auf die Wunschliste für das Einrutschen gesetzt). In den Racks hatte ich nur einen 189er und einen 195er gesehen. Frank sagte mir, ich solle den 189er ausprobieren, der sei einfach zu fahren. Okay, wenn der Chef das sagt.:nixweiss:. Immerhin ist die Nose weich abgestimmt.

    Mit einer Mischung aus Neugier und Respekt fahre ich den ersten Sessellift hinauf. Diese Nose sieht schon brutal lang aus. Aussteigen. Mann, das Ding ist riesig!?(
    Dank 2 vorheriger Testfahrten auf GS Boards weiß ich nun, dass man diese Boards nicht langsam fahren kann.
    Also stürze ich mich im Attack Mode auf den Kühlschrank.
    Und fast gleichzeitig fange ich an zu grinsen^^. Dieses Grinsen wird mich bis zur Rückgabe des Boards am Abend nicht mehr verlassen.
    Vielleicht muss ich das erklären. Ich fahre ja kein Rennen oder so. Aber grundsätzlich mag ich es nicht besonders, überholt zu werden. Das ist aber bei meinen wunderbar gestörten Boardkollegen manchmal schwierig. Ich muss mir oft eingestehen (boah tut das weh!), dass die anderen schneller sind.
    Aber nicht am Samstag. Am Samstag war ich schneller. Und überhaupt nicht müde.Am Abend hatte ich das Gefühl, gar nicht gefahren zu sein. Meine Oberschenkeln fühlen sich an, als hätte ich nur auf dem Sofa gelegen. Der Steilhang ist nach ein paar Kurven vorbei. Ich habe schon den Eindruck, dass das Tempo recht flott ist. Ich darf auf die anderen warten:aetschi:(endlich habe ich es mal geschafft ;)).
    Ich fühle mich sehr sicher auf dem Board. Es macht alles mit, was ich befehle, ohne zu zicken. Es ruckelt nie. Noch schöner finde ich, dass trotz der wahnsinnigen Laufruhe das Kantengefühl intensiv spürbar ist. Man kann fühlen, wie sich die Kante präzise in den kompakten Schnee einarbeitet. Und genau das ist für mich der Unterschied zu den anderen 2 GS Boards, die ich testen durfte. Der Kantenwechsel ist total schnell. Wie beim Phantom. Ich bin es auch relativ eng gefahren (ich weiß, dafür ist es nicht gedacht) und war überrascht, wie geil das geht. Stoische Spurtreue, obwohl ich die vorgesehenen Radien ziemlich sicher unterschritten habe.

    Meine anfängliche Zurückhaltung wegen der Länge war unbegründet. Beim Fahren merkt man davon nichts. Es lässt sich auch total zahm driften, wenn man z.B. bei der Gondel ankommt (auf der Piste will ich gar nicht driften-> Streetdogstyle).

    Und in den Buckeln kann man sich einfach ein bisschen zurücklehnen und durchfräsen als wäre nichts. schon krass.
    Das Board hat mich total begeistert. Meine Speedsucht war am Samstag endgültig gestillt. Mein innerer Tacho ist jetzt kaputt und will nur noch mehr Speed. Das Black Death, das ich am Montag fahren durfte (Danke Kim für die Bereitstellung der nächste Droge!), ist zwar auch sehr schnell, kann aber vom Gefühl her nicht ganz mit dem GS mithalten. Dafür ist es natürlich agiler und verspielter.
    Jetzt fehlt nur noch eine Fahrt auf Blankeis und in einem Skigebiet mit schmalen Pisten. Volle Pisten sind sowieso nicht so mein Ding, ich fahre fast ausschließlich unter der Woche. Ist aber garantiert begrenzter als ein Phantom, der ultrakurze Radien zaubert.

    Zurück auf meinem Phantom 168 für die letzte Stunde des Tages war mir aber auch klar, was das GS Board nicht hat: das wilde, aggressive, unberechenbare Etwas:sharkey:.

    Das Feuer:evil:.

    Also brauche ich wohl mindestens 3 Boards...

    Der 189 ist also ein zahmes Mädchenbrett, das megaschnell, aber brav fährt.

  • Das mit den GS Boards ist anders als bei anderen Herstellern...die Variabilität des Schwungradius kann der Fahrer bestimmen, was immens hilft bei eventuellen Fahrfehlern wieder einen hohen schnellen Schwung in den nächsten darauf folgenden Toren hin zu kriegen... Rettungsschwung nennt Benny das...macht beim frei fahren natürlich mega Spaß...

    VIRUS - fast and furious since 1987!

  • "Zurück auf meinem Phantom 168 für die letzte Stunde des Tages war mir aber auch klar, was das GS Board nicht hat: das wilde, aggressive, unberechenbare Etwas:sharkey:.

    Das Feuer:evil:."

    Danke Claire, das bestätigt meinen Eindruck

    vom Phantom 168.

    Das Ding ist ein angepisster Pitbull an der Kette.

    Einfach geil.

    Da haste immer was zulachen, aber Obacht es beißt wenn Du

    nachlässig wirst. :evil:

  • Was mir als Ergebnis ja schon gefällt ist diese Entzauberung. Und dass der fruno mit seinen langen Prügeln nicht mehr nur als Spinner dasteht. Das Zeug is fahrbar, und lustig, und halt schneller. Alles was ma können muss is carven.


    Und ein Phantom im Vergleich is dann halt eine Giftspritze, klar. Aber genauso ises halt auch. Der Standpunkt bestimmt die Sichtweise.

    Was mich wirklich überrascht ist wie sehr doch bei der entsprechenden fahrerischen Kompromisslosigkeit ein weiches GS Board in enge Radien gedrückt werden kann - bei gleichem Sidecut. I hab die Claire beobachtet wie sie aus dem 189er (ein anderes als meines, dürfte doch deutlich weicher sein) Radien gepresst hat.. i hab gesagt an der Stelle wo sie noch 3 Turns in den Hang zirkelt schwing ich schon ab weils gleich flach wird.

    Ich nehm an dass wohl weichere Boards da mehr Spielraum bieten. I bin trotzdem bei den härteren daheim weil mir die Vorhersehbarkeit und Stabilität mehr wert ist als irgendwo noch einen Haken schlagen zu können.

    Und ein ganz wichtiger Punkt is einfach die Fahrtechnik. Mit Hochentlastung und moderaten Aufkantwinkeln wird ma immer schnell und weit werden, zu schnell für manche Hänge.

    Mit flinken Beinen, tiefem Umkanten und hohen Aufkantwinkeln kannst aus fast jedem Board enge Radien pressen.

    Im Idealfall kann man beides, und hat auf jedem Hang und mit jedem Board Spaß.

    Und eine starke Rolle spielt schon auch der Untergrund. Auf weichem, griffigem Neuschnee-Untergrund wie jetzt in Sölden wurde mir das 189er fast zu eng, dasselbe 189er das mir auf angefirntem - auch griffigen - Frühjahrsschnee noch als weit und schnell erschienen is.

    Gegenden nördlich des Alpenhauptkammes sind aus klimatischen Gründen unbewohnbar.
    (H.Rosendorfer)

    Edited once, last by frunobulax (May 2, 2024 at 12:47 PM).

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