Schritt 2 - Bindungswinkel und Grundstellung

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Das Ziel soll ein schnelles und sicheres Lernen zu sein, keine Extreme wie Half-Pipe Sprünge auf der einen Seite oder Riesenslalomrennen auf der anderen Seite.

Mit diesem Ziel vor Augen, würde ich gerne die Frage stellen: Wie würde man einen Hang nur auf Schuhen herunterrutschen? Oder über einen Eislaufplatz rutschen? Seitlich, also Füsse quer zur Fahrtrichtung? Oder frontal wie ein Skifahrer? Oder mit dem vorderen Fuss nach vorne zeigend und der Hintere quer? Also wie ein Surfer, Skateboarder, Seiltänzer?



Letztere Stellung hat nur Vorteile:

  • Der Kopf kann problemlos nach vorne schauen
  • Man hat die höchste Stabilität um beide Achsen
  • Es ist eine bewegungsbereite Position, denn egal auf welche Seite man fällt, man kann sich schützen


Wie wäre das wenn man frontal wie ein Skifahrer fährt?

  • Der Kopf blickt direkt nach vorne
  • Man hat eine hohe Stabilität links-rechts (wie beim Balanzieren) aber weniger Stabilität nach vorne und überhaupt keine nach hinten
  • Die Bewegungsmöglichkeiten der Beine links-rechts sind faktisch überhaupt nicht gegeben. Dazu müsste man sich die Knie brechen.



Und im Duckstance?

  • Um in Fahrtrichtung zu schauen muss man den Kopf um 90° drehen
  • Sehr hohe Stabilität Frontside und auch vorne-hinten, wenig Stabilität auf der Backside
  • Sehr hohe Beweglichkeit auf der Frontside, faktisch keine auf der Backside



Hier erkennt man schon warum sich bei dem Thema Bindungswinkel kein Konsens finden lassen kann. Weil jeder andere Prioritäten setzt. Zum Carven möchte ich Frontside und Backside viel Stabilität, nach hinten interessiert mich überhaupt nicht. Für Sprünge, Grabs und Switch fahren muss man faktisch Duckstance einstellen.

Und zum Lernen sind beide Extreme nicht geeignet - dafür bietet sich ein Mittelweg aus beidem an, eben ein leichter positiver Bindungswinkel.


Mit diesem Gedanken im Hinterkopf stehe ich dem DSV Lehrplan sehr skeptisch gegenüber. Der Lehrplan ist nahezu vollständig auf Tricks ausgerichtet, dort wird inzwischen der Duckstance von Anfang an unterrichtet. Auf Kosten des einfachen Erlernens.

Beim Österreichischen Skiverband wiederum wird die Bindungsposition später immer mehr dem Duckstance angenähert, je mehr man in Richtung Halfpipe geht. Begonnen wird aber mit positivem Bindungswinkel. Macht Sinn.


Und jetzt mal ehrlich, wie viele Snowboarder sieht man nur in der Halfpipe oder im Funpark? Die große Masse ist nur auf der Piste unterwegs und macht ein paar Sprünge - das geht mit allen Einstellungen.


Mit diesen einleitenden Gedanken möchte ich jetzt mal in die Details gehen...


Bindungswinkel

Dafür gibt es eine ganz einfache Regel: Der hintere Fuss soll einen möglichst geringen Winkel haben, 0°, 10°, 20°,.... ganz egal was, die Hauptsache ist der Boot ragt weder auf der Front- noch auf der Backside über die Kante. Und der vordere Fuss wird dann bequem dazugestellt, also irgendwas mit zusätzlichen +5° oder +10° mehr in Fahrtrichtung.

Was das praktisch bedeutet ist sekundär und kommt rein auf die Board-Breite an. Hier eine Auswahl von drei Boards von mir:



Und bei einem Freestyle Board gilt die gleiche Regel, der Winkel ist natürlich ein anderer.


Quelle: snowboardingprofiles.com



Eine andere Erklärung warum der Bindungswinkel nur ein Ausdruck der Präferenz ist, sieht man im Vergleich. In allen drei Fällen steht man bequem und natürlich auf dem Board. Die Füsse in einer leichten V-Stellung, nur der Startpunkt ist ein Anderer. Fall 1 hat man hinten +10° und vorne +20°, Fall 2 hinten -5° und vorne +5° und Fall 3 sind es hinten 0° und vorne +10°. Der Stand ist also nahezu der gleiche, die Bewegungsrichtung (Präferenz) ist der einzige Unterschied.




Grundstellung

Viel wichtiger als der Bindungswinkel und damit die Fußstellung ist der Rest vom Körper.

Die klassische Grundstellung nach österreichischem Lehrplan ist: Man steht am Brett und dreht den Oberkörper soweit in Fahrtrichtung wie es leicht möglich ist. Bei einem Bindungswinkel von 20° wird das vielleicht 45° sein, auf einem Raceboard mit Bindungswinkel von 65° kommt man bis komplett in Fahrtrichtung. Der absolute Betrag ist aber egal, es sollte eben nur ein wenig eingedreht sein.


Diese leicht einrotierte Grundstellung ist ein anderer Aspekt, der im DSV Programm nicht vorkommt. Einige Vorteile davon sind wiederum schnell ersichtlich

  • Beim Gedankenexperiment vom Berg herunter ruschen, wie würde man da die Arme halten? Vollkommen klar - seitlich der Stabilität wegen. Eben wie ein Seiltänzer auch.
  • Wir müssen in Fahrtrichtung schauen, das geht leichter wenn der Oberkörper schon ein wenig einrotiert ist als wenn man den Kopf um 90° drehen muss.
  • Durch das Eindrehen der Hüfte bilden die Beine mit den Knien ein stabiles Dreieck - besserer Kantendruck.

Nachteilig wirkt sich aus

  • Wenn man schon in eine Richtung einrotiert ist, kann man weniger Schwung für die Rotation holen. Darum ist auch die Aussage: Leicht(!) einrotiert, nicht mehr.
  • Durch das Verdrehen der Hüfte bekommt man Stabilität, man kann dafür nicht so leicht Board-Grabs und ähnliches machen. Macht ein Anfänger nicht.



In diesem Beispiel ist die Rotation fast schon zu viel - der Bindungswinkel scheint auch recht steil zu sein.



Regeln laut DSV und snowboarden.de

Ich darf von snowboarden.de zitieren:

  • "Es entspricht eher der natürlichen Fußstellung und ist damit bequemer": Stellen Sie sich vor den Badezimmerspiegel und schauen sie sich die Fußstellung an. Der eine wird +5° sein, der andere -5°. Soweit stimmt das. Aber damit ist nicht gesagt, dass man mit genau dem Bindungswinkel fahren würde. Das Board muss nicht parallel zum Spiegel liegen, es könnte auch mit 20° in Richtung Wand zeigen. Also alles was dieses Argument sagt ist, der Bindungswinkel sollte 10° unterschiedlich sein - oder wie viel auch immer.
  • "Man kommt leichter in die Knie, was beim Fahren die Stabilität erhöht und auf Kickern Grabs erleichtert": Auch hier wieder, stellen Sie sich vor den Spiegel und gehen sie weit in die Knie. Jetzt stellen Sie sich wie ein Boxer hin, also Ausfallschritt, und gehen ebenfalls in die Knie. Laut diesem Argument dürfte in Boxer nicht so gut in die Knie gehen dürfen.
  • Der Oberkörper ist in der Ruheposition gegenüber dem Board nicht vorrotiert, man hat also keine unnötige Rotation die man z.B. bei Boardslides gar nicht haben will.": Das ist die große Frage. Will man Bewegungsfreiheit, stimmt das natürlich zu 100%. Will man Stabilität und Kantendruck ist es genau umgekehrt.
  • "Für Anfänger bietet es [nicht vorrotiert] den Vorteil, dass sich Schrägfahrten leichter gestalten und dass einem der häufigsten Fehlerbilder (Taloffenheit) entgegengewirkt wird.": Das sehe ich nicht so. Es ist völlig unerheblich ob man 10° vorrotiert ist und dann auf 20° sich in der Kurve dreht. Oder von 0° auf 10°. Ich unterrichte den Driftschwung so, dass ich den Schülern sage sie sollen "lenken". Man drehe die Schulter nach links und das Board folgt. Man drehe nach Rechts, das Board folgt. Eine aktive und kontrollierte Steuerung. Nach der Duckstance-fahrweise dreht sich das Board und der Körper folgt. Dann kontrolliert mich das Board. Nicht das Ziel, oder?
  • "Heutzutage wird außerdem auch das Carven mit dem Oberkörper parallel zum Brett geschult (außer man steht auf einem Raceboard).": Das ist kein Argument. Wenn überhaupt wird das Carven nur deswegen so unterrichtet weil man bei Duckstance keine Alternative hat. Die Schulter parallel zum Board ist das Schlechteste was man machen kann beim Carven, wie im Kapitel 4 gezeigt wird.
  • "Switch (Skater kennen's als "Fakie", also anders herum als normal fahren) gestaltet sich wesentlich einfacher. Gerade bei Drehungen wie 180 (und irgendwann eventuell 540, 900) bietet das einen entscheidenden Vorteil, da man dort nach dem Sprung bzw Slide eben das "falsche" Bein vorne hat.": Korrekt.

Wenn man diese Argumente also zusammenzählt, dann wird hauptsächlich gesagt: "Für etliche Freestyle Tricks ist Duckstanze ein muss". Dem stimme ich 100% zu. Blöderweise fahren nur die wenigsten Freestyletricks. Viele dieser Tricks gehen prinzipiell auch mit positiver Bindungseinstellung. Aber warum sollte man Kompromisse eingehen, also Freestyle Tricks = Duckstance.
Aber Duckstance einem Anfänger zu empfehlen, so zu unterrichten oder jemanden, der fast nur auf der Piste unterwegs ist, so fahren zu lassen, davon halte ich nichts. Da überwiegen die Nachteile um ein Vielfaches.

Zusammenfassung

Es gibt zwei Punkte in denen sich Freestyle und Pisten fahren unterscheiden:

  1. Duckstance versus positiver Bindungswinkel
  2. Neutral oder Vorrotiert

Das eine ist für Halfpipe, Slopestyle Tricks und Big Air Jumps ein muss. Wenn man das aber nicht ständig macht, dann überwiegen die Vorteile der klassischen Fahrweise. Die natürlichere Haltung ist ein positiver Bindungswinkel und leicht vorrotiert sein.