Schritt 5 - Extreme Carving

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: www.frozen-backside.de.
Falls dies Dein erster Besuch auf dieser Seite ist, lies bitte die Hilfe durch.
Darüber hinaus solltest du dich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutze das Benutzerkonto erstellen auf der rechten Seite, um dich zu registrieren.


Login: hier

Einleitend sollte gesagt werden, dass es verschiedene Stile von Extreme Carving gibt: Swoard, Pureboarding, Russian Style, Alpin und mehr. Von der Fahrtechnik her gesehen werden bei allen die gleichen Techniken verwendet, nur mit unterschiedlichen Prioritäten, und auch die Ziele sind unterschiedlich.


Ein wichtiger Punkt noch: Extreme Carving heißt nicht mit den Fingern den Schnee in der Kurve zu berühren. Wenn man sich nur mit den Händen auf der Piste abstützt ist die Verletzungsgefahr der Finger und Schulter viel zu hoch. Das Ziel muss also sein, am Unterarm beider Händen entlang zu gleiten oder gleich mit der Brust, Backside ebenfalls so weit wie möglich.


Von den angewandten Techniken haben wir vieles in den vorherigen Kapiteln besprochen, manches kommt hinzu:

  1. Oberkörperrotation für den Drehmomentaufbau - kennen wir
  2. Aufkantwinkel maximieren - ergibt sich von selbst
  3. Hoch- oder Tiefentlastung um das Umkanten zu beschleunigen - bekommt eine höher Priorität
  4. Im Schwung sich strecken - Jeahh, baby!
  5. Gewicht vor der Schwungeinleitung nach hinten, in der Streckphase nach vorne - das ist neu
  6. Timing von all diesen Bewegungen muss korrekt sein - aargh

Swoard - Das Komplettpaket

Swoard ist der "Erfinder" des Extreme Carvens. (Stimmt nicht ganz aber gut genug)

Das Ziel von Swoard sind die allertiefsten Turns, sowohl Frontside als auch Backside.


(Dieses Bild zeigt übrigens Carven mit Softboots)



Die Bretter von Swoard sind eher breiter, so 23cm Mittelbreite, und man fährt entsprechend mit einem flachen Bindungswinkel. Von der Technik her gesehen wird auf Oberkörperrotation (1) und ein starkes Strecken des Körpers (4) Wert gelegt, sowie die Gewichtsverlagerung Vor/Zurück (5).


Wie eine Oberkörperrotation (1) den Radius verkleinert ist in diesem Übungsvideo ersichtlich. Swoard verwendet dafür die Begriffe Plus und Minus. Im Backside-Schwung soll Oberkörper und Hüfte 90° zur Brettachse gedreht sein - es sieht wie ein Plus-Symbol von oben aus betrachtet aus. Bei der Frontside sind Arme, Hüfte, Oberkörper genau über der Brettachse liegen, man würde nur einen Strich sehen, das Minus also.



Gewichtsverlagerung Vor/Zurück (5) sieht man in obigem Video auch sehr gut und da wird auch gleich der Effekt klar (Ein Frame aus obigem Video):


Das Brett wird über die Beine gekrümmt und in dieser vorgebogenen Haltung auf die Kante gestellt. Ergebnis ist ein noch kleinerer Radius.


Die Hoch/Tief-Bewegung (3) wird bei Swoard als Push-Pull bezeichnet. Wenn man kürzere Carves fährt und im richtigen Takt das Brett hinaus drückt, beschleunigt man es aus der Kurve heraus - Push. Zum Umkanten wird es wieder heran gezogen - Pull. Das ist ähnlich wie beim Eislaufen. Da kann man auch kleine Wellen fahren und so immer schneller werden.


Das Strecken im Schwung (4) sieht man bei jedem Laydown:

Die Beine bleiben ganz leicht angezogen um noch Unebenheiten ausgleichen zu können, ansonsten liegt man flach mit dem Oberkörper im Schnee.


Maximal aufkanten ergibt sich wiederum von alleine, wenn man mit dem kompletten Körper und langgezogen im Schnee liegt, dann ist das Brett 90° aufgekantet. Ob man will oder nicht.


Jede dieser Techniken ist an sich sehr einfach, aber alles zusammen im richtigen Timing (6) hinzubekommen....schwer. Sehr schwer. Extrem schwer.

Die Belohnung wiederum ist riesig. Wenn das alles klappt fährt man jeden Hang mit den tiefsten Laydowns hinunter.



Pistenbedingungen

Am einfachsten zu fahren sind sehr steile und frisch präparierte Pisten. Wenn die Piste selbst schon 45° Neigung hat, bedeutet ein Laydown eine Schräglage von 45°. Es dauert eine Weile bis man sich das zutraut, aber rein vom Fahren her gesehen ist das wirklich das Einfachste. Im Vergleich eine blaue Piste mit 10° Neigung, dafür müsste man 80° Kurvenlage erreichen um voll im Laydown zu liegen. Auch das geht, nur muss man dafür perfekt fahren und das komplette Toolset (1-6) ausschöpfen.

Vereiste Pisten sind auch wieder so eine Sache. Auch die kann man eigentlich sehr gut mit Laydowns carven - wenn man sich traut. Sogar fast besser als mit Driftschwüngen oder normalen Schulcarven. Der Gedanke ist, wenn man sich nicht komplett hineinlegt, hat man nicht maximal aufgekantet - nicht gut am Eis - und sollte das Brett wegrutschen dann fällt man. Umgekehrt, wenn man wirklich mit dem Körper im Schnee liegt, wie soll man da noch hinfallen? Man liegt ja 'eh schon. Und durch das hohe Aufkanten verliert man vor vorne herein nicht so leicht den Halt.


Wird die Piste unruhig, dann werden Laydowns schon mal ein gutes Stück schwieriger. Und sollte auf der Piste wirklich tiefer Schnee liegen, dann empfiehlt es sich Laydowns gleich gar nicht zu fahren, weil das Verletzungsrisiko der Schulter viel zu hoch ist. Das ist dann die Zeit des Alpin-Carvens und deren Motto "Hands out of the Snow". Sprich so extrem carven wie möglich, allerdings ohne dass die Unterarme den Schnee berühren bzw. nur ganz leicht als Abstützung darüber gleiten.

[Blockierte Grafik: https://frozen-backside.de/wbb411/wcf/images/backgrounds/DSC_6021/background1600.jpg]



Hilfe, mein Brett rattert immer wieder mal

Was auch immer wieder passiert, gerade auf harter Piste: Man fährt einen Carving Turn aber das Brett bricht hinten aus und fängt zu rattern an. Sehr unangenehm, man sitzt sofort am Hintern und hohes Verletzungsrisiko. In diesem Falle war man mit dem Gewicht für die aktuellen Pistenbedingungen zu weit hinten.

Wenn das Gewicht weiter hinten ist, drückt man hinten das Board mehr in den Schnee und man hat dadurch hinten mehr Halt. Ein Nullsummenspiel. Das gilt allerdings nur so lange, wie man nicht mehr Kraft auf den Schnee ausübt als dieser aufnehmen kann. Ab einer gewissen Kraft wird der Schnee brechen. Dann verliert das Board hinten den Halt, wird ein wenig in die Höhe katapultiert und schlägt dann mit um so mehr Energie in den Schnee ein. Durch dieses massive in-den-Schnee-einschlagen hat es sofort wieder Halt, zumindest für eine halbe Sekunde bis die komplette Körpermasse dagegen drückt und der Schnee erst recht wieder nachgibt. Das ganze geschieht sehr schnell, man empfindet das als Rattern.

Auf eisigen Pisten sieht man das auch schön an der erzeugten Spur.

Board rattert


Doch was passiert wenn man das Gewicht bei solchen Bedingungen nach vorne gibt? Man erhöht den Druck vorne, solange bis der Schnee/Eis einen nicht mehr halten kann. Die Nase springt aus dem Schnee. So weit ist alles gleich. Nur dreht man sich bei mangelndem Halt vorne ganz automatisch mehr in Falllinie. Je näher man aber der Falllinie kommt, um so geringer sind die Kurvenkräfte. Man wird also sehr schnell wieder genügend Grip haben.

Zusätzlich sind die Bretter so gebaut, dass die Nose tendenziell torsionsweich ist. Vorne wird man also nicht so sehr aus der Spur hochkatapultiert als das sich das Brett verwindet und man vorne nur wegschmiert - in Richtung Fallline.

Praktisch sieht das so aus: Man fährt am Eis, Gewicht ist weit vorne, jetzt hält plötzlich die Kante vorne nicht mehr. Deswegen schmiert das Brett vorne weg, es dreht sich in Richtung Falllinie. Nach ein, zwei Metern beißt das Brett wieder auf voller Kantenlänge und man fährt den Schwung weiter als wäre nichts gewesen. Alles im kompletten Laydown.

Anstatt auf so einer Eispiste nicht fahren zu können oder ängstlich herum zu rutschen, sehen die Schwünge super spektakulär aus und ungefährlich sind sie auch. Man muss sich aber trauen.


Wie soll man das je lernen???

Beim Lernen geht es darum nicht unbedingt notwendige Dinge weg zu lassen oder so zu fahren, dass sie sich von selbst ergeben.

Nehmen wir einmal diese Übung und fokussieren uns nur auf Frontside (ich muss endlich mal selbst ein deutlicheres Video machen)


Von der Übung her gesehen ist es ganz einfach:

  1. Hinten tief in die Knie gehen. So sehr dass man Frontside sogar schon mit der Hand den Schnee berühren kann.
  2. Brett auf die Kante stellen.
  3. Jetzt mit beiden Händen im Schnee sich nach vorne lang strecken. Dabei soll am Ende der Streckphase wirklich das Gesicht auf der Höhe der Board-Nase sein.

Das war es. Und was hat man jetzt mit dieser Übung erreicht?

  1. Oberkörperrotation: Wenn beide Hände im Schnee sind, dann hat man den Oberkörper rotiert.
  2. Aufkantwinkel maximieren: Ist durch das Langstrecken passiert.
  3. Hoch- oder Tiefentlastung: Wurde gemacht, denn am Anfang war man in den Knien am Ende des Schwungs ist man langgestreckt.
  4. Im Schwung sich strecken: Teil der Übung, also ja.
  5. Gewicht vor der Schwungeinleitung nach hinten, in der Streckphase nach vorne: Teil der Übung, als erledigt.
  6. Timing: Ergibt sich ganz von alleine.

Zusätzlich ist diese Übung sicher und vor allem kann man so beliebig langsam anfangen.

Achtung! Üben nur bei glatten Pisten und wenn keine Leuten auf der Piste sind!!!


Backside ist prinzipiell gleich, nur wird man mit der Backside-Hand nicht schon von Anfang an den Schnee berühren können. Daher hinten tief in die Knie gehen, Brett auf die Backside Kante stellen und dann so schnell wie möglich den Schnee mit der Backside-Hand berühren.


Das Aufstehen am Ende des Schwungs fehlt noch, ist aber überraschen einfach: Man lässt das Board wieder unter den Hintern fahren und kann so wieder aufstehen. Das kommt also von alleine. Später.


Weitere Philosophien

Alle anderen Extreme Carving Philosophien würde ich salopp sagen, lassen eine oder mehrere Dinge weg. Beim Russian Style werden von diesen Sachen viele nahezu unsichtbar gemacht. Im Ergebnis sieht es so aus als würden die einfach nur umkippen. betrachtet man das aber genauer, findet man Oberkörperrotation (1), Gewichtsverlagerung (5) und Timing (6). Dafür wird kaum in die Knie gegangen (3) und entsprechend gibt es keine Streckung (4).

Das Ergebnis sind elegante Turns, die aber wirklich glatte, harte und mittelsteile Pisten verlangen. Typische Bedingungen im kalten Russland, bei uns eher selten. Aber wenn solche Bedingungen mal sind, dann möchte ich auch so fahren können.



Über den Alpin-Stil wurde ja schon was gesagt. Vom Prinzip her das Gleiche, mit dem wesentlichen Unterschied, dass man möglichst alles knapp über der Schneeoberfläche macht. Also nicht in den Schnee greifen, sondern knapp darüber. Natürlich kann man so nicht komplett im Schnee liegen, dafür kann man so auch bei schlechten Bedingungen fahren. Tiefer Schnee, zerbombter Hang, selbst Buckelpisten.

Deswegen wird man hier auch mehr mit Hoch/Tief arbeiten, eben um Unebenheiten auszufedern und den Schwerpunkt tiefer zu bekommen.



Das Ziel von Pureboarding ist eine möglichst sichere und natürliche Art des (Extreme) Carvings. Entsprechend sollte man sich deren Kursangebote auf jeden Fall genauer ansehen.


Race, also Riesenslalom etc, ist etwas ganz anderes. Da geht es nicht um möglichst tiefe Turns, sondern maximale Kontrolle und schnelle Zeiten. Das hat überhaupt nichts mit Extreme Carving zu tun. Natürlich wird man auch hier maximal aufgekantet sein, sehr dynamisch fahren, aber eben ohne mit dem Körper am Boden entlang zu schleifen oder das Tor in 2m Entfernung zu umfahren, nur damit noch Platz für einen Laydown ist.